Yoga und Entspannung – Gedanken von meiner Kollegin Sabine

Yoga und Entspannung – Gedanken von meiner Kollegin Sabine

Yoga und Entspannung auf der Matte ist für viele – nach einer gewissen Zeit – leicht durchführbar. Unser Körper weiß, dass er jetzt zur Ruhe kommen darf, wenn wir uns z. B. in savasana legen und der Yogalehrer (die Lehrerin) ansagt.
Aber wie ist es machbar, die Entspannung und Ruhe, die wir in diesem geschützten Rahmen erfahren, auch in den Alltag umzusetzen? Wie bleibe ich auch in stressigeren Situationen gelassen und falle nicht in alte Muster zurück, bei denen ich laut – oder was auch immer – werde?
Übung ist die Voraussetzung dafür. Wenn wir Yoga immer nur auf der Matte oder dem Kissen als „Auszeit“ ansehen, dann haben wir nur einen kleinen Bruchteil seines Nutzens für unser Leben. Es ist zwar wunderbar, wenn wir uns immer wieder entsprechend Zeit für uns nehmen, aber das Geheimnis im Yoga ist, dass wir Ruhe und Frieden durch die verschiedenen Übungen finden. Ruhe im Kopf – kein Affe mehr, der dauernd in unserem Geist herumspringt –, Ruhe für den Körper und Frieden in der Seele. Das ist es doch, was wir uns vom Yoga wünschen. Und wir können es tatsächlich erreichen. Natürlich nicht von heute auf morgen und auch nicht, wenn wir uns Druck machen, all das möglichst schnell zu erreichen, denn dann machen wir aus Yoga das gleiche, was wir mit unseren ganzen anderen Tätigkeiten bewerkstelligen. Machen, damit etwas herauskommt – und möglichst gleich.
Üben – was heißt das nun? Natürlich asanas, pranayama, Entspannung und Meditation (dies möglichst regelmäßig und wenn es nur 15 Minuten täglich sind). Aber auch Übung im Alltag. Immer wieder sich im Laufe eines Tages die Zeit nehmen und den Atem einige Minuten beobachten – am wunderbarsten finde ich das in der Natur. Aber auch: sich ein Stück weit von den eigenen Emotionen distanzieren, wenn sie uns mal wieder davontragen und wir hinterher gar nicht wissen, warum wir z. B. so wütend geworden sind. In der Situation anschauen, was da in diesem unruhigen Geist vorgeht. Was ist es, was da so wütend macht? Kann ich auch ganz anders reagieren? Muss ich mich in die Situation so hineinbegeben, oder kann ich mich auch etwas mehr herausnehmen?
Aber natürlich auch: in der Meditation, in einer wachen Ruhe und Entspanntheit die Situation, die z. B. am Vortag so voller Emotionen war, noch mal hochkommen lassen und in Ruhe anschauen. Schauen, was da wirklich war. Immer wieder. Denn nur, wenn wir in Ruhe etwas anschauen und andere Reaktionsmuster für ähnliche Situationen entdecken, können wir diese dann in den Alltag übertragen und nicht mehr „ausrasten“. Das ist wie unser schöner Satz „da muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen“. Da nimmst du dir auch die Zeit und kannst am Morgen noch mal hinschauen. Zeitliche Distanz schafft Möglichkeiten, anders zu handeln und Ideen dafür zu finden.
Das heißt nicht, dass wir nicht mehr emotional – für manchen vielleicht sogar langweilig - sein sollen. Nein, wir können es aber schaffen, uns von unseren Emotionen nicht mehr davontragen zu lassen. Zu erkennen, wann es nötig ist, auch einmal laut zu sein – hier aber nicht mehr mit voller Emotionalität, sondern nach außen laut, nicht nach innen -. Wer Kinder hat oder mit ihnen arbeitet weiß, wovon ich rede. Hier musst du einfach mal auch laut werden können, aber eben nicht innerlich. Lautstärke quasi spielen. Wie ein Schauspieler (also echt wirkend für die Kinder!), der in seiner Rolle aufgeht. Hinterher schlüpfst du aus dieser Rolle wieder heraus und bist wieder du. Auf das Thema Rollen komme ich hier später noch mal zurück, es ist ein wichtiger Teil auch in der Yogaphilosophie.
Teste es einfach öfter mal aus. Schau dir auch zu, wenn du schauspielerst. Wie echt wirkst du und was passiert innen? Sei achtsam auch in solchen Situationen. Du wirst merken, dass es immer leichter wird, je mehr du es übst (es ist ja auch noch kein Meister vom Himmel gefallen).
Ein friedliches, lichtvolles Weihnachtsfest
Namasté
Sabine

 

 

Was getan wurde, ist fertig

Von Juli bis Oktober übernimmt der Monsum das Regiment in Thailand. In dieser Zeit stellen die Mönche ihre Reisen ein, legen alle Projekte und Werkstücke zur Seite und widmen sich ausschließlich dem Studium und der Meditation. Diese Periode wird "Vassa" genant, das "Regen-Retreat".

Vor einigen Jahren errichtete ein berühmter Abt in Thailand eine neue Halle in seinem Waldkloster. Zum Zeitpunkt des Regen-Retreats ließ er alle Arbeiten einstellen und schickte die Bauarbeiter nach Hause. Im Kloster war jetzt die Zeit der Stille angebrochen.

Als ein Besucher ein paar Tage später das halbfertige Gebäude sah, fragte er den Abt, wann die Halle denn fertig sein würde. Ohne zu zögern, antwortete der Abt: "Die Halle ist fertig".

"Was meinst du damit: Die Halle ist fertig?", fragte der Besucher verblüfft. "Sie hat kein Dach, keine Fenster oder Türen. Überall liegen Holzstücke und Zementsäcke herum. Soll denn das alles so bleiben? Bist du verrückt? Was soll das heißen: Die Halle ist fertig ?"

Der alte Abt lächelte und erwiderte gelassen: "Was getan wurde, ist fertig." Und damit schritt er davon, um zu meditieren.

Dies ist die einzige Möglichkeit, sich ein Retreat oder eine Pause zu gönnen. Sonst wird unsere Arbeit nie fertig.

In diesem Sinne...wünsche ich Dir regelmäßige Pausen - Zeit für Dich -

 

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