Herz des Yoga – Essenz

Herz des Yoga – Essenz

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Gibt es das- das Herz des Yoga, die Quintessenz, das Wesentliche dieses Weges? Bei aller Vielfalt des Yogas kann diese Frage kaum eindeutig beantwortet werden. WO finden wir dann eine Antwort, eine Idee WAS das HERZ des Yoga ist? Hm, die alten Schriften! Im Yoga Sutra Patanjalis finden wir eine klare Vorstellung der ESSENZ des Yogaweges.

Tapas –  Svadhyaya –  Ishvarapranidhana –  Kriya – Yoga

„Yoga Sutra 2.1

तपः स्वाध्यायेश्वरप्रणिधानानि क्रियायोगः ॥१॥

tapaḥ svādhyāy-eśvarapraṇidhānāni kriyā-yogaḥ ||1||

Eine Praxis mit Strenge und Achtsamkeit sich selbst gegenüber,
ohne Verhaftung an das Resultat, wird Kriya-Yoga genannt. ||1||

tapah (तपः, tapaḥ) = (nom. sg. n. / acc. sg. n. von tapa (तप, tapa)) Askese, Disziplin, Hitze, Selbstdisziplin
svadhyaya (स्वाध्याय, svādhyāya) = (iic.) Selbststudium, sich selbst achtend
ishvarapranidhana (ईश्वरप्रणिधान, īśvarapraṇidhāna) = Hingabe an einen persönlichen Gott, Selbstaufgabe, ohne Verhaftung an das Resultat
kriya (क्रिया, kriyā) = (nom. sg. f.) Handlung, Yoga der Tat, Kriya-Yoga
yogah (योगः, yogaḥ) = (nom. sg. m. von yoga (योग, yoga)) Yoga

Kriya Yoga zeichnet sich also durch drei Qualitäten aus: tapah (तपः, tapaḥ), svadhyaya (स्वाध्याय, svādhyāya) und ishvarapranidhana (इश्वरप्रणिधान, iśvarapraṇidhāna).“

Quelle www.ashtangayoga.de

Jede Qualität ist für sich einer Betrachtung wert: Hier die KURZ Fassung!

Tapas – Üben im engeren Sinne; mit der nötigen Disziplin, mit Begeisterung und Leidenschaft ins Tun kommen.

Svadhyaya – Erfahrung, Erforschung meiner selbst; Selbsterkenntnis, aus den gemachten Erfahrungen lernen! In all seinem Tun sich reflektieren, daraus lernen.

Ishvarapranidhana – die Einsicht – es gibt keine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis – gut, wenn ich mich von Ergebnissen unabhängig mache – nichts erwarte; da gibt es etwas, das Größer ist als ich, weiter – manche nennen dies Gott.

Ich kann und ich muss nicht alles selber machen. Manches braucht Geduld, anderes lässt sich nicht ändern. Nimmt mich aus der riesen Verantwortung heraus, für ALLES zuständig sein zu müssen. HINGABE und auch das frei sein von Erwarten eines bestimmten Ergebnisses finden sich hier.

Kriya – handeln; Weg – der aktiv gegangen werden kann, diesen bewusst gestalten

Yoga – besonderer Zustand des Geistes – hier ist es mir möglich, mich selbst und die Welt wirklich zu erkennen.

In diesem Sutra beschreibt Patanjali den WEG zu solch ausgerichtetem Geist. WIE wir diesen Weg aktiv gestalten können und sollten. Hier geht es um uns, so wie wir dastehen, widersprüchlich, kantig, so wie Alltag, Leben, unsere Geschichte uns geformt hat. Hier geht es um das Wechselspiel unserer Gefühle und Bedürfnisse.

TAPAS – LAST abwerfen .

  • Wortursprung – Hitze, Glut – gemeint – Prozess innerer Reinigung, der von alten Mustern, Blockaden befreit
  • Findet auf Ebene des Körpers, des Atems und Geistes satt.
  • Kennt verschiedenste Techniken: Asana, Pranayama, Meditation
  • IN der Praxis des Yoga wird versucht, eine reinigende Glut in sich zu entfachen. Dazu nutzt der Yoga die Körperübungen und die Atemübungen. Pranayama als innere Reinigung erübt einen feinen, langen, gut regulierten Atem. Mit der Ausrichtung des inneren Lebensfeuers –Prana – wollen wir über den Atem Blockaden beseitigen. Tapas beinhaltet auch das Bemühen, möglichst wenige neue Schlacken anzusammeln. Hier spielt die Ernährung mit hinein – diese sollte in richtiger Meine und richtiger Qualität sein.
  • TAPAS è alle Bemühungen uns von Ballast, alten hinderlichen Strukturen, negativen samskara, zu befreien
  • Dazu Energie nötig, Durchhaltekraft, Wille
  • HATHA = „kraftvolles, intensives Bemühen“, Anstrengung
  • Yoga ist nicht der Weg des Abwartens, auf Hilfe von irgendwoher, er fordert Eigen Initiative und Handeln
  • Qualität von Tapas ist wichtig: soll nutzen, nicht schaden
  • D.h. passende Asanas, passende Pranayama, passende Meditations Formen
  • Hier weder zu viel, zu anstrengend, weit über die Grenzen - noch zu bequem

TAPAS – Qualität von Klarheit, Wille und Durchhaltekraft. Entscheide mich FÜR etwas, ist gleichsam GEGEN etwas anderes. Die Leidenschaft, die Begeisterung die mich bewegt, die mir das nötige „Feuer“ gibt, auch wenn es anstrengend ist. Tapas brauche ich für mein tägliches Üben – mein tägliches Lernen: HEUTE. Das schwierigste ist immer der erste Schritt: auf die Matte, in die Veränderung, auf dem Weg.

Die schwierigste Yoga Übung? Die Matte auszurollen! ;o) Tapas für den ersten Schritt. Nur Heute. Jetzt. Dies kleine „Nur heute“ macht es mir leicht – kein Berg vor mir, sondern nur jetzt übe ich, nur jetzt bin ich ganz dabei, nur jetzt – kleine Schritte auf einem mächtigen Weg!

=> Aktivität- die neuen Raum in uns schafft

Svadhyaya . - Begegnung mit sich selbst

= „an sich selbst nahe herangehen“ = Selbsterforschung –!

  • Hierin sich immer besser kennen lernen
  • Erste Schritte im Üben mit dem Körper, im erfahren der Asanas
  • wie wir unseren Körper wahrnehmen und beeinflussen
  • Im Alltag selten Raum für das achtsame Wahrnehmen, der Geist ist zumeist mit anderen Dingen beschäftigt. In Asanapraxis das Angebot zur Selbstbeobachtung wahrnehmen. Im Üben mit der richtigen Anstrengung, Schritt für Schritt das zu viel an Anspannung abbauend, um mehr und mehr in die Qualität von Weite, in sthiram sukukham – fest und leicht zu finden (Y Sutra II.47) . Es gilt hier in eine Qualität zu kommen, die uns weiter bringt und unsere Selbsterkenntnis verbessert. Grenzen erfahren, sie weiten und auch akzeptieren.
  • Ein supertolles Angebot! Denn schon WIE wir üben gibt uns zahlreiche Auskünfte über uns selbst.

Warum ist es so schwierig zu üben, wenn ich es am nötigsten hätte?

Und wenn nicht – ist es Trägheit oder Ausrede?

Wie viel erwarte ich?

Wie viel Geduld habe ich?

Wie gehe ich mit Schwierigkeiten um?

Wie sehr vergleiche ich mich mit den andern?

  • Ich erfahre meine momentanen Grenzen: wo sind sie gesteckt, akzeptiere ich sie, weiche ich liebe aus oder „ziehe ich es durch“? Welche Gefühle lösen diese Erfahrungen aus, meine Begrenztheit?
  • Gerade über das Üben der gleichen Praxis über längere Zeit erfahre ich viel über mich.
  • Heute fließt die Praxis, ich bin ruhig, stabil, kraftvoll. Harmonie in mir.
  • Am nächsten Tag ist das Üben eckig, kantig, der Atem Spiegel für innere Unruhe.
  • Gestern noch ausgeglichen, heute ungeduldig. So kann das tägliche Üben auch ein wunderbarer Spiegel sein für meinen momentanen Zustand. Vielleicht hilft hier schon ein „AHA, heute ist nicht mein allerbester Tag. Sei achtsam und liebevoll mit dir.“ Oder/und ich erlebe, dass über mein geduldiges Üben die momentane Befindlichkeit sich verändert. Ich zu meiner inneren Ruhe zurück finde.

Svadhyaya – wird auch übersetzt mit „Studium der Schriften“

Hilfe kann ein Mensch sein, der diesen Weg schon gegangen ist. Eine Vertrauensperson, kompetent und erfahren. Dieser Mensch kann uns (die wir ja meist „betriebsblind“ für unsere eigenen Themen, Muster sind) einen Hinweis geben, einen Impuls, kann uns die Augen öffnen über eine Haltung, eine Gewohnheit, einen Gedanken.

OHNE diesen Aspekt fehlt unserem Weg leicht eine wesentliche Richtung, wird zum Selbstzweck, mechanisch.

Ishvara pranidhana = eine höhere Kraft, das alles in Fülle besitzt, was leitet und führt - daraus entsteht Hingabe in größtem Vertrauen

Alle Kulturen kennen diese Kraft, auch wenn sie ihr verschiedenste Namen geben:

Brahman, das Höchste, die Wahrheit, Gott- als gemeinsamer Nennen eine Kraft, die trägt, stützt, schützt.

Pranidhana = unerschütterliches Festhalten an etwas; vollständige, unerschütterliche Hingabe

Das Opfer – etwas weggeben, was einem kostbar, lieb und teuer, ohne dafür im Tausch etwas zu wollen.

  • Eine bestimmte innere Haltung, die ich meinem Handeln gegenüber einnehme
  • Gesunde Distanz, dem eigenen Handeln und seinen Ergebnissen gegenüber
  • Fern vom negativen Bild der „Gleichgültigkeit“ ein GLEICHMUT = jedes Ergebnis kann angenommen werden

Jedes Üben, Tun zeigt Ergebnisse. Sind diese für uns angenehm, genießen wir sie gerne. Doch was ist, wenn sich unsere Wünsche, unsere Erwartungen nicht erfüllen? Alles lief doch so gut, und nun kommen alte schmerzhafte Erinnerungen, der Körper macht Probleme – was tun damit?

Das Bild vom Apfelbaum an dem ich schüttle mag mir helfen: es fallen beide Sorten Äpfel herunter – die wohlschmeckenden ebenso wie die wurmstichigen.

  • Das eigene Handeln nicht abhängig machen ob etwas Wünschenswertes dabei herauskommt.

Wie rasch kommen wir in einen Strudel der eigenen KLESHA – all das was uns antreibt, unsere inneren angeborenen Triebe.. Wenn etwas wohltuend war entsteht RAGA - GIER, das will ich wieder haben. Oder mein Ego fühlt sich gestreichelt, wie toll ich doch bin – ASMITA – das Egogefühl. Ebenso wie die DVESA  - Abneigung, SO WAS – nicht noch mal. Der schwierigste Trieb ist  wohl ABHINIVESA – Angst.  Denn Angst braucht keine wirklichen Anlass, keine äußere Situation und zeigt sich somit in allen Formen. Der Nährboden für alle Klesas, alle Triebe ist AVIDYA – Irrtum, Verblendung. In all dem hilft uns wieder SVADHAYA – die Selbstbeobachtung und Reflexion. Zu unterscheiden, ob dies ohne Zwischentöne ist oder ob Abgrenzung, Überlegenheit oder Ehrgeiz mit hinein spielen.

Auch von der Illusion lassend – wir hätten alles in der Hand. Natürlich können wir Resultate nicht vorher bestimmen. NIEMAND kann einen Garantieschein für den Erfolg des Bemühens ausstellen. Das Vertrauen für unseren Weg das uns trägt und hält muss also von anderswo her kommen als von der Aussicht auf Erfolg. Dies Vertrauen mag sich ausdrücken als Vertrauen auf eine äußere Kraft die mich stützt, oder auf meine eigene kraft wo immer ich deren Ursprung sehe.

Die Reihenfolge ist wichtig – für Veränderung unserer Situation, unserer Person:

Tapas- etwas TUN; bemühen ohne uns zu schaden und ohne durch Fehlschläge entmutigen zu lassen

Verbinden mit

Svadhyaya – echte Selbsterforschung – niederschlagen im Üben wie im Umgang mit sich; dazu in allen Aktivitäten erleben

Verbinden mit

Ishvarapranidhana – innerem Vertrauen und Distanz zu den Ergebnissen, Akzeptanz dessen was ist

In der BHAGAVAD GITA spiegelt sich eben dieser Weg in den drei Aspekten des Yoga wieder:
Karma Yoga = Handeln

Jnana Yoga = Erlangen von Wissen, Weisheit

Bhakti Yoga = Hingabe, Demut

Alle drei miteinander verbinden, immer wieder aufs Neue in Harmonie – hier kann die eigentliche Qualität unseres Weges entstehen. DAS ist der HERZ SCHLAG, der unseren Weg zu kriya yoga, zu einem Weg des Yoga macht.

Kriya Yoga lehrt uns, jedes Resultat unseres Tuns, unser Bemühen zu akzeptieren. Unser Ziel ist nicht ein bestimmtes Ergebnis, sondern all die Erfahrungen und Erkenntnisse auf unserem Weg.

Herr, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann.
Und gib mir die Weisheit,
das eine vom andern
zu unterscheiden.
Friedrich Christoph Oetinger (1702 -1782)

Ändern was zu ändern ist, akzeptieren was nicht zu ändern geht.

Meine Erfahrungen des Yoga bleiben nicht auf der Matte. Sie sind das Potenzial die mein Leben grundlegend verändern können. Im Alltag all das was da kommt, was ist, mit Leidenschaft und Selbstdisziplin meistern. Im Innern den für mich richtigen Weg spürend, das richtige Maß findend. Hier lerne ich vertrauen und auch zu akzeptieren- denn Ergebnisse sind nie allein von meinen Anstrengungen abhängig. Dies nimmt die Last der persönlichen Verantwortung für ALLES – und schenkt mir Freiheit. Die Freiheit zu sein – und mich stetig zu entwickeln.

Mehr dazu auch in der „Viveka 2“ -und viel mehr über YOGA - www.viveka.de

Mein Lehrer R.Sriram:
„Zwischen eifrigem Tun und gelassener Hingabe
hält die Vernunft die Waage.“

Was ist der Geist? Was ist das Selbst?

=>Weg der Verneinung hilft  =>Bin ich … nein, denn da ist noch anderes!

Geist besteht aus EGO – wichtig, doch vergänglich. Aus Intellekt – was wir denken, speichern.

=> erschwindet jedoch alles, wenn ich verschwinde

=>das was bleibt ist das Selbst, der göttliche Funke

Ist Scheibe klar oder unklar durch die ich mich anschaue => Durchblick, Seher

Durch Studium erkennen, wer da schaut.
Wissen ist eins, Erfahrung das andere.
Nicht das WAS wir machen, sondern DAS wir machen.
Wir können WÄHLEN was wir tun, mit was will ich mich fülle.

Yoga üben mit Herz und Geist è fühlen – und kommt unangenehmes Gefühl => woher kommt das?

In der philosophischen Auseinandersetzung trainiert und schärft Geist, relativiert manches.

  • schafft Fundament zum Aufbauen
  • erstaunlich was wir mit Kö und Atem machen können
  • wenn Danken und Handeln nicht stimmig, sind wir nicht stimmig

Es gilt in seinem Selbststudium den Leitfaden, das Thema zu entdecken, sonst verzetteln wir uns.

SVADYHAYA = Spiel – sich SELBST näher kommen, dem innersten göttlichen Wesenskern!

 

 

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